Berufsbild – Industriekaufmann / Industriekauffrau

Der Industriekaufmann oder die Industriekauffrau gehört zu den beliebtesten Ausbildungsberufen in Deutschland. In jedem Jahr versuchen Zehntausende jungen Menschen einen der begehrten Ausbildungsplätze zu bekommen. Warum der Beruf so beliebt ist, wird dabei schnell deutlich, wenn man einmal einen Blick auf das Berufsbild wirft.

Der Allrounder in der Industrie

Das Berufsbild des Industriekaufmann ist gesetzlich nicht sehr eng skizziert, was sich auch in der Ausbildung zeigt. So gibt es keine Spezialisierungen nach Fachrichtungen, auf die sich Azubis während der Lehrzeit fokussieren können. Die Folge ist, dass der Industriekaufmann praktisch zu einem Allrounder ausgebildet wird, der in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten kann. Neben klassischen Buchhaltungsaufgaben und dem Personalwesen gehören dazu beispielsweise das Marketing, der Vertrieb oder die Produktion.

Die Unternehmen, in denen man später einmal aktiv ist, können ebenfalls in den verschiedensten Branchen aktiv sein. Die Industrie ist nicht nur auf Bereiche wie die Auto- und Metallproduktion beschränkt. Auch im Textilgewerbe, der Medizintechnik, der Medientechnik oder der Elektroindustrie wird fleißig produziert. Entsprechend suchen und bilden Unternehmen auch hier Industriekaufleute aus.

Voraussetzungen und Bewerbung

Wer sich die Ausbildung als Industriekaufmann oder Industriekauffrau interessiert, sollte in paar Voraussetzungen für das Berufsbild erfüllen. Selbst wenn formal kein Schulabschluss vorgeschrieben ist, verlangen viele Unternehmen von ihren Bewerbern mindestens einen guten Realabschluss. Mitunter muss man sogar ein Abitur vorweisen. Zusätzlich sind gute Noten gefragt. Die Fächer, auf die besonders großen Wert gelegt wird, sind Deutsch, Mathematik und Englisch. Auch die Computerkenntnisse sollten überdurchschnittlich gut sein.

Neben den schulischen Voraussetzungen setzt das Berufsbild ein paar weitere Stärken und Interessen voraus. Industriekaufleute sollten Freude an der Arbeit mit Zahlen und Statistiken haben sowie Interesse an wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Themen. Zudem sind gute kommunikative Fähigkeiten, kreatives Problemlösungsdenken, eine sorgfältige Arbeitsweise, Planungs- und Organisationsfähigkeiten sowie Verhandlungssicherheit gefragt.

Die Ausbildung der Industriekaufleute

Nach der erfolgreichen Bewerbung kann es mit der Ausbildung losgehen. Zum Berufsbild der Industriekaufleute gehört eine duale Ausbildung, die sowohl in einem Unternehmen als auch in der Berufsschule erfolgt. Insgesamt dauert diese drei Jahre. Unter Umständen ist eine Verkürzung der Ausbildung auf zwei Jahre möglich. Dafür müssen die Lehrlinge allerdings einen Antrag bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) stellen, die jeden Fall individuell entscheidet. Auch gibt es die Option, sich durch eine Umschulung zu einem Industriekaufmann ausbilden zu lassen, wenn man beispielsweise schon über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium verfügt.

Im Laufe der Ausbildung müssen die Azubis zwei große Prüfungen schreiben. Die erste Zwischenprüfung findet im Laufe des zweiten Lehrjahres statt und stellt vor allem die Inhalte des ersten Jahres in den Mittelpunkt. Zum Ende der Ausbildung wartet dann die Abschlussprüfung. Diese ist noch einmal deutlich umfangreicher als die Zwischenprüfung und beinhaltet auch die Bearbeitung und Präsentation einer Fachaufgabe.

Nach der Ausbildung

Ist die Ausbildung einmal abgeschlossen, beginnt das Berufsleben. Wie bei anderen Berufen auch gehört zum Berufsbild der Industriekaufleute die Möglichkeit, sich weiterzubilden. Typische Wege sind zum Beispiel der Industriefachwirt oder der Betriebswirt für Industrie. Auch ein Studium ist mit einer abgeschlossenen Ausbildung möglich. Grundsätzlich bieten sich alle kaufmännischen Studiengänge an. Ein Studium ist beispielsweise in der Industriebetriebswirtschaft der Betriebswirtschaftslehre oder in Business Administration möglich.

Wem es nicht gelingt, sich den Traum vom Industriekaufmann oder der Industriekauffrau zu erfüllen, der kann sich eventuell auf einen ähnlichen Ausbildungsberuf fokussieren. Gerade bei anderen kaufmännischen Ausbildungsberufen ist das Berufsbild in vielen Bereichen durchaus ähnlich. Dementsprechend bieten sich alternative Ausbildungen wie Kaufleute für Büromanagement, Bankkaufleute, Kaufleute im Groß- und Außenhandel oder Kaufleute für Versicherungen und Finanzwesen an.

Gehalt im Beruf und der Ausbildung

Zum Berufsbild der Industriekaufleute gehört auch das Gehalt. Dieses richtet sich in der Regel nach tarifvertraglichen Vereinbarungen, wobei es eine Rolle spielt, in welcher Branche man seine Ausbildung macht. Auch Dinge wie das Unternehmen selbst und die regionale Lage spielen bei der Bezahlung eine Rolle. Im ersten Ausbildungsjahr liegt das Gehalt typischerweise zwischen 800 und 1000 Euro. Mit jedem Jahr steigt die Ausbildungsvergütung, da die Azubis ihr Wissen stetig erweitern. Im dritten Lehrjahr kann sich das Gehalt aufgrund dessen zwischen 1050 und 1150 Euro bewegen.

Nach dem Abschluss der Ausbildung beginnen Industriekaufleute in der Regel mit einem Einstiegsgehalt zwischen 1700 und 2500 Euro. Auch hier kommt es wieder darauf an, in welcher Branche und wo man arbeitet. Mit steigender Berufserfahrung steigt in der Regel auch das Gehalt und kann bis 3000 Euro im Monat betragen. Durch Weiterbildungen und der Aufstieg in Führungspositionen sind noch höhere Gehälter möglich.

Bildquelle: © Plakos GmbH